Die Farben des Regens

Ich mag den Geruch von Regen auf warmem Asphalt.
Wenn es Nachts draußen gewittert und der Regen gegen die Scheiben klatscht.

Ach komm. Ihr Klimapoeten. Was wisst ihr schon vom Regen. Ihr seid aus Zucker. Ihr seid keine Freunde des Regens, nein. Ihr benutzt ihn in euren lyrischen Abhandlungen. Würdigt nicht den Regen, sondern die Distanz zu ihm. Ihr kennt nur das Prasseln gegen die Scheiben und meint seine Sprache sprechen zu können. Ihr riecht seine Anwesenheit auf biederem Stein und meint den Geruch des Regens zu kennen. Das ist nicht das Kissen, auf dem er Nachts schläft. Es riecht nicht nach ihm. Stadtkind, du weißt nicht wie Regen duftet.
Er roch erdig-dumpf im Gebüsch und würzig-klamm, wenn er sich an der Rinde bestimmter Bäume festsetzte. Er prasselte nicht. Er trommelte auf die Baumkronen über dir. Er verschwamm nicht die Sicht. Er färbte Blätter dunkelgrün. Rinden dunkelrot. Und Moos in Neonfarben. Schuf Kontraste zum sich klärenden Himmel. Hangelte sich von Bäumen weiter mit dicken Tropfen. Fiel langsam und schwermütig durchs tanzende Blätterdach auf deine Wange. Es waren die Tropfen, die einem immer im Nacken landeten. Du ekeltest dich davor. Saugte sich in deinen Klamotten fest wie ein Knutschfleck am Hals. Wusstest nicht, dass es eine Liebkosung war. Regen waren keine Tropfen. Regen waren Pfützen, durch die man hindurch fuhr, um es zu teilen wie Moses. Und manchmal gab er dir das Gefühl es geschafft zu haben. Regen prasselte nicht!! Regen rauschte wohlwollend. So laut, dass es wieder leise war. Wenn er dir beim Fahren ins Gesicht klatschte. Sodass es weh tat. Dann tadelte er dich. Fahr langsamer. Wenn er plätscherte, erzählte er dir von Orten, an denen er schon gewesen war. Wenn er sich auf einer Lichtung über dir erschüttete, dann kuschelte er. Schmiegte sich mit deinem Pullover an deine Haut. Flüsterte dir ins Ohr wie es war ins offene Meer zu fallen und ein Teil vom Ganzen zu werden. Wie er in seinem Element aufging. Wie ich beim Biken. Hatten sowas von was gemeinsam. Er mochte mich, obwohl ich so gern gegen den Strom schwamm. War bei mir als ich siegte und applaudierte mir. War bei mir als ich verlor und stand mir bei als Wolkenbruch. Er knisterte, zischelte und Pfiff. Wenn er bei mir an die Scheiben donnerte hieß es: komm zu mir, Kumpel.

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0 comments

  1. Hat dies auf grafixxeria rebloggt und kommentierte:
    Heute regnet es. Es ist auch kalt – zu kalt für Ende Juni, finde ich. Kann man nix machen. Oder falsch – sollte man das beste draus machen!
    Aber die Stimmung ist halt … verregnet. Trotzdem tolle Worte von diesem Schreiberling …

  2. Toller Beitrag. Hervorragend geschrieben! Hast mich berührt und gefesselt.
    Hatte beim lesen das Gefühl zu verstehen was du erzählst und zugleich das Gefühl dass du verstehen würdest was ich erzählen würde.
    Top und Riesen Respekt!

  3. Das erinnert mich daran als ich mit meiner Tochter unterwegs war und uns der Bus vor der Nase weggefahren ist. Es fing gerade an zu regnen und sie war wegen irgendetwas traurig und als wir so im strömenden Regen über einen Kilometer bei Dunkelheit nach Hause gingen haben wir so viel gelacht wie schon lange nicht mehr. Zu Hause haben wir uns dann gleich alles Klamotten ausgezogen und uns zusammen mit einer warmen Decke auf die Couch gekuschelt. So geht Leben .. zumindest für mich 🙂

  4. petrichor… der Geruch von Regen auf trockener Erde… aber ich weiß nicht wie man das Gefühl benennt, das man hat wenn die klamme Regenfeuchtigkeit beginnt durch die Kleidung auf die Haut zu dringen, diesers Gefühl wenn es keine Unterscheidung mehr gibt zwischen Außen und Innen.

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