Marilyn-Monroe-Strategie

Wenn ich immer alle Regeln befolgt hätte, hätte ich es nie zu etwas gebracht.
– Marilyn Monroe

Ich bin so empfindlich, mir wird schlecht vom Rhythmus der Musik, die gerade laut genug ist, damit ich sämtliche Geräusche aus meiner Umwelt nicht mehr wahrnehme, von denen mir noch viel schlechter wird. Ich habe aufgehört, alleine zu sein und angefangen, Leere zu genießen. Ich versuche jeden Tag die Leute davon zu überzeugen wie gut es ist, in Kontakt mit sich selber zu treten, indem ich nicht mit ihnen rede. Hin und wieder schreibe ich eine Postkarte aus meiner Welt, in der ich so viel Zeit habe, dass ich aus Spaß eine Briefmarke male und neben die eigentliche klebe.

Ich fotografiere jeden Tag ein und denselben Baum, um mich davon zu überzeugen, dass etwas sterben und wieder zum Leben erwecken kann. Ich glaube Sachen eben erst wenn ich sie sehe. Ich weiß wie du lachst, ich weiß sogar wie es aus jedem Winkel aussieht und erfreue mich trotzdem jedes Mal daran, als würde ich es zum ersten Mal sehen. Warum kann ich dir glauben, aber dich nicht?

Manchmal sind wir nur dankbar, weil wir so ein schlechtes Gewissen haben, weshalb sich Dankbarkeit nie gut anfühlt. Ich verbiete meinem Gewissen von nun an zu sprechen, weil ich Tage ab sofort so früh wie möglich für abgehakt erkläre und plötzlich weiß ich, warum man vor Dankbarkeit weint – sie ist heilsam. Schließt Wunden und öffnet Tore zu neuen Ebenen.
Ich mache die Augen zu, schlage den Atlas auf, tippe mit dem Zeigefinger auf einen Ort und dann schreibe ich über ihn. Was ich rieche, welche Pflanzen und Tiere es dort meiner Meinung nach gibt. Was ich sehe, wenn ich dort in den Himmel blicke.

Ich klaue meinem Babysitterkind knete, weil sie rosa ist und lecker aussieht und ich sie nicht mehr loslassen kann. Und bringe ihm beim nächsten Mal einen ganzen Kasten neuer mit. Ich gehe spazieren, ohne Ziel. Wenn man ein Ziel hat, sieht man seine Umwelt nicht. Man kann Jahre an einem Laden vorbei gehen ohne zu wissen, dass er auf der anderen Straßenseite existiert. (Naturbäcker Eichel lässt Grüßen.) Ich will einen eigenen Stand auf einem Flohmarkt haben, wo Leute alte Zeitschriften untereinander austauschen können. Ich sammele ab sofort was, ich weiß noch nicht was, aber ich nehme mir ein Beispiel an der Maus Frederick, die anstatt Vorräte, Emotionen sammelt. Vielleicht sammele ich auch einfach von nun an Kinderbücher. Hättet ihr gedacht, dass mich zu meinen Texten auf diesem Blog mehr Kinderbücher inspiriert haben, als Erwachsene Literatur?

Ich male mit Kreide Rebus-Rätsel auf Straßen, die alle die gleiche Bedeutung haben, aber immer wieder anders aussehen. Ich stelle der netten Frau aus dem Waschsalon ein Geschenk hin kurz bevor sie ihre Wäsche abholt, weil sie mir immer mit der Bedienung geholfen hat. Und wenn es ganz schlimm wird, dann schreibe ich einen Reiseführer für meine eigene Welt, in der ich gerade bin. Mache Musik an, und lese ihn mir durch, immer wieder, um hier zu überleben und irgendwann wieder aufzublühen, auch wenn die Bäume das vielleicht schneller können.

Eine der wichtigsten Regeln im Leben ist, zu funktionieren. Ich funktioniere jetzt einfach nicht und ich glaube, ich bin noch nie so viel geheilt wie jetzt gerade. Ich tue das einfach solange, bis ich mir erlauben kann, schlechte Gefühle zuzulassen, weil sie mich dann nicht mehr zerreißen. Bis es keinen Regen mehr gibt, der meine Kreidebilder wegwischt. Bis ich dich und mich ein bisschen mehr glauben kann.

34 comments

  1. Die Regeln brechen… nicht mehr tun, was man muss… Wer hat diese Spielregeln eigentlich aufgestellt, an die sich alle so brav halten, als würde sonst die Welt untergehen? Warum muss es immer ein Ziel geben?

    Alles Gute auf deiner Reise 🙂 Gibst du mir was von der rosa Knete ab? ^^

    1. Boa ich würde am liebsten reinbeißen, außerdem riecht Knete auch so lecker. Ich knete glaube ich lieber als mein Babysitterkind. 😀 (Mein Ziel für nächste Woche: ich klaue dir auch ein bisschen Knete.)

  2. Ich habe noch nie einen Text von dir gelesen der so viel positiven Energie enthält und die ich dir auch abkaufe. :))) (weil sie sich echt anhört und nicht so halbherzig)

  3. Aufschlagen, wo sich die Ewigkeiten aus Vergangenheit und Zukunft treffen, immer und Jetzt. Zweimal diesen wundervollen Text gelesen, zweimal mit einem Lächeln den Punkt gesetzt. Ich werd‘ ihn bestimmt wieder lesen.

    Man muss schon noch Chaos in sich tragen um einen tanzenden Stern gebären zu können. (F Nietzsche)

    Danke

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