I have a heart, science told me so

 

Ich mache viel und ich fühle nichts. Außer der Ahoibrause auf meiner Zunge. Ich weiß zu viel und ich vergesse zu wenig. Eigentlich würde mir sogar die Ahoibrause wehtun, weil ihr Knistern mich daran erinnert, dass mein Bauch nicht mehr kribbelt. Aber ich fühle nichts.
Ich erfinde mich neu. Rumschrauben kann ich gut, aber beim neu programmieren scheitert es dann. Ich bin wie meine neuesteeinzigetolle Erfindung, aber sie funktioniert nicht. Ein Roboter, der nicht monoton sprechen kann, ja nicht mal Piepen oder ein bisschen rot blinken kann. Aber was macht das schon? Er hätte auch kein Herz, wenn er blinken könnte. Was ist eine Hülle mit Herz anderes, als ein Roboter ohne eines. Was ist ein Herz wert, ohne einen Menschen der es trägt? Wir sehen; Herzen sind doch völlig überbewertet…

Ich höre Musik, die ich eigentlich nicht mag, ich kaue Kaugummi, das mir zu süß ist. Ich kaufe in einer anderen Supermarktkette ein und ich trage seit fünf Tagen und fünf Nächten den gleichen Pulli, weil er der einzige ist von dem ich nicht weiß wie du ihn findest. Ich unterhalte mich mit Leuten nur deswegen, weil du sie nicht kennst. Ich genieße es sogar, dass ich deine Stimme an meinem Geburtstag nicht gehört habe, denn auch das ist neu. Ich verlerne alles, was du mir je beigebracht hast, nicht, weil du nicht der beste Lehrer warst, sondern weil es zu können bedeuten würde, etwas zu sein was du geschaffen hast und das wäre fast so, wie von dir berührt zu werden. Aber ich fühle so wenig, dass ich wohl selbst eine reale Berührung von dir nicht spüren würde. Ich rede sogar anders, weil meine eigene Art zu sprechen mich an deine erinnert. Was dazu führt, dass ich plötzlich ganz komische Wörter und Phrasen benutze wie: alles tutti? Und: Hast du ne Macke? Und wenn mir nichts neues einfällt, das sich möglichst wenig nach dir anhört, dann schweige ich einfach.
Warum gibt es so wenig Neues, obwohl mein altes überhaupt nicht viel war? Ich mache viel, aber nur noch Neues. Ich fühle nichts. Ich erkenne dich überhaupt nicht wieder, sagst du dann. Und ich würde mich vielleicht erklären, wäre es auch nur monotones und gefühlloses Gelaber. Ich würde es trotzdem versuchen, aber ich kann nicht reden. Mit dir kann man einfach nicht normal reden! Ich weiß. Und deswegen würde ich dir in die Augen sehen und wenigstens ein bisschen blinken. Wenn es doch nur funktionieren würde.

I don’t want to survive, I want to live – Wall-E

9 comments

          1. Na dann: Glück auf! (Tschuldige, mein Kopf ist heute wirklich komisch und the long way down ist länger als ich dachte. Aber vielleicht hat der baldige Aufprall etwas heilsames. Oder etwas ausschaltendes. Einmal ausschalten für alle, bitte.)

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