Hast du einen Traum? Oder nur Sehnsucht nach Sehnsucht?

In Märchen warten Liebende immer Hundert Jahre aufeinander. Ich bin kein Prinz, ich bin ein anarchistischer Poet. So wie sich die Dunkelheit nach dem Licht sehnte, verlange ich nach dir. Obwohl mein Siechtum mehr war als ich tragen konnte, und man es als Romantiker heutzutage eben so trägt, werte ich den Begriff auf. Sehnen ist schöpfend. Durch Wollen bin ich mehr, obwohl ich nicht besitze, und je mehr ich will, desto mehr Angst habe ich vor den Pretiosen. Nimmersatt. 
Dann schütze ich mich. Indem ich hinterfrage, ob du wirklich ein essentieller Teil meines Traumes bist. Und das geht sogar ganz ohne, dass die Intensität des Verlangens abflaut. Manchmal verwechsele ich ja sogar Hunger mit Müdigkeit. Weil ich will. Doch heißt das nicht, dass ich überhaupt nicht müde bin oder gar, dass ich die Nacht mitsamt meinen Träumen fürchte. Ich fürchte mich nicht mehr. Schon viel zu lange nicht mehr. As long as you make me sad, I will write. Du bist mein Traum und ich gebe ihm jeden Tag einen anderen Namen. Solange Dunkelheit mir innewohnt, begehre ich das Licht, weil man manchmal leidet, um zu sein.
Und plötzlich weiß ich, was die Leute damit meinen wenn sie sagen, dass sie sich selbst Schaden um was zu spüren, denn wenn wir mal ehrlich sind, dann kommt das doch aufs gleiche hinaus. Und du hast vom Wollen gewusst. Wie schäbig es ist, in einer Welt ohne dich geliebt werden zu wollen.

14 comments

  1. Genau zu dem Thema habe Ich vor 8 Monaten eine Abhandlung in der tiefen Nacht geschrieben! Schön im aphoristischen Stil niedergeschrieben… Wenn du noch ein bisschen daran feilst, kannst du deine Sätze sogar wie das Gedicht ‚Die Birke‘ von Hermann Hesse wirken lassen. Dieses hängende Schwingen im Wortlaut trägst du in deinem natürlichen Schreibstil schon mit. 🙂

    Wir lesen uns! 🙂

    — Worgenzunge aka Shrar aka Gargoyle

  2. Träume und Sehnsucht können uns helfen nicht den Mut und die Hoffnung zu verlieren. Der Stress beginnt dann wenn wir uns zu sehr daran festhalten. Selbst das Festhalten an der Hoffnung lässt uns den Blick für das hier ne jetzt verlieren, bindet unsere Energie.
    Zu behaupten keine Angst mehr zu haben halte ich für ein sehr mutiges Wort. Es würde bedeuten, keinerlei Strukturen mehr zu brauchen, nichts an dem man sich festhält. Es würde bedeuten sein Leben so annehmen zu können wie es ist, ohne es manipulieren und verändern zu wollen. Unzufriedenheit, Resignation, Depression uvm sind Ableger und Verwandte der Angst 🙃

    1. Ein schönes Bild „Das Leben so annehmen, wie es ist“ und die Frage, ist das nicht sowieso unsere Aufgabe hier? Mit dem, was uns im Leben begegnet umzugehen? Der Unterschied liegt in der Bewertung. Möglichst wenig Stempel – das wäre für mich ein durchaus erstrebenswertes Ziel.

      1. Ich glaube wir haben keine Aufgabe im Sinne von „wir sollen oder müssen“
        Wir haben die Wahl zu schlafen und zu träumen oder aufzuwachen und zu leben.

        Lebendigkeit statt Leblosigkeit ist mehr ein Geschenk als eine Aufgabe.

        Wir müssen weder arbeiten noch uns anstrengen,
        einfach sein, einfach leben.

        Es gibt viele Krücken die uns helfen können, solange wir uns nicht verbissen und verkrampft festhalten.

        Es gibt vieles was uns helfen kann, manches mehr und manches weniger.

        Achtsamkeit die zu Bewusstheit führt, uns die Augen öffnet und wachwerden lässt ist eine große Hilfe.

        Doch auch hier gilt Leichtigkeit und kein erzwingen oder du musst.
        Wie gesagt, verkürzt

        annehmen was ist

        anstatt verändern und manipulieren wollen.

        Mit allen Sinnen be-greifen, sehen und verstehen

        Einzig Liebe und Mitgefühl schenkt uns Freiheit und Zufriedenheit

        ❤️

  3. Ich habe den Text schonmal zum Zeitpunkt der Veröffentlichung gelesen und überhaupt nichts gerafft. Jetzt habe ich viele Texte von dir hintereinander gelesen und stelle fest, dass man sich reinfühlen muss um zu verstehen oder zumindest zu empfinden. Deine Texte liest man nicht nebenbei. Man muss sie fühlen. Es regt zum denken an. Vielen Dank dafür. 🙂

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