Der blinde Fuchs

Du sagst, ich verliere mich wieder. Vielleicht hast du recht. W├Ârter tun wieder weh und ├╝berall wo ich hingehe, scheint die Stille der Stadt zusammenzulaufen. Ich bin ein auditiver Abfluss. Scharfe Zungen schlitzen mich von innen auf wenn ich mich ├Âffne und werden dabei von einem grotesken Pantomimeorchester begleitet.

Morgens ├Âffne ich meine Augen nicht mehr, obwohl ich l├Ąngst wach bin. Sie zu ├Âffnen hie├če nicht einfach, dass ich wach bin. Es hie├če, ich bin bereit f├╝r den Tag. Das bin ich ganz einfach nicht. Ritusartig gebe ich mich also voller Leidenschaft meinem neuen Hobby hin, zu meiner Seele sprechen und Abbitte daf├╝r leisten, dass es in meinem K├Ârper ├╝berhaupt noch einen neuen Tag zu beschreiten gibt, damit ich mir als exkulpierter Mann selber wieder in die Augen blicken kann, wenn ich nach dem Duschen in den Spiegel gucke.
Tun wir das nicht alle? Der pr├╝fende Blick in den Spiegel. Morgens. Abends. Als ich versucht habe, mich dabei averbal anzuschweigen wurde mir klar, dass die mimische Sprache, was ich vorher schon wusste, doch nie so bewusst erkannt hatte, viel mehr sagt, als verbale Kommunikation. Daraufhin hielt ich mir symbolisch die Ohren zu und erschrak gleichwohl, weil ich mich noch nie so laut angebr├╝llt hatte. Je leiser ich werden wollte, umso lauter wurde ich. Meine Handlungen gingen von Gemeinen zu Majuskeln ├╝ber. Ich wusch mir das Gesicht in minuskelschrift und putzte mir die Z├Ąhne in CAPITALIS MONUMENTALIS.
Ich lasse die Augen geschlossen, das ist meine Art, einem Disput mit mir selbst vorzubeugen.

Dabei erinnere ich mich an eine Szene aus dem Kindergarten, in der ich mit den anderen Kindern Sissi gespielt hatte und dabei einen toten Fuchs zum besten gab. Eigentlich ist es die einzige Erinnerung an typische Rollenspiele, die ich aus meiner Kindheit habe. War es nicht eine unglaublich sch├Âne Zeit? Ich spiele gar nicht tot, ich spiele mich lebendig. Ich bin nicht depressiv, ich heile. Ich f├╝hle mich zu keiner Tageszeit sorgenfreier, als bei meinem morgendlichen Ritual.
Lass mich sterben. Ich bin ein blinder Fuchs und ICH FINDE MICH TROTZDEM.

13 comments

  1. Ich sehe das kleine Kind den toten Fuchs spielen und es zerrei├čt mich. Lieber, lieber Junge, was kann ich tun – so unbekannt und weit entfernt?
    Ich kenne dieses Erleben aus meinen jungen Jahren so gut und wei├č, wie schmerzhaft, fast t├Âdlich der Heilungsprozess ist. Wie viele R├╝ckschritte und R├╝ckf├Ąlle es gibt. Eines Tages muss ich da raus gekommen sein, auch wenn es immer wieder Stunden, N├Ąchte, Wochen der erlebten Sinnlosigkeit gibt. Aber ich wei├č mittlerweile, dass sie enden.
    Und ich bef├╝rchte, dass meine Worte kein bisschen helfen. Es tut mir leid.

    1. Ach du Liebe… gar nichts kannst du oder musst du tun. Ich heile. So wie du geheilt bist. ­čÖé ­čÖé Wir kennen doch alle solche Situationen, manche haben l├Ąnger damit zu tun, andere nicht so lange. Danke dir. <3

          1. Nunja, ich kenne Deine Identit├Ąt nicht. Und wei├č nicht, was Du mit Deinem Schmerz hast! Du definierst Dich ├╝ber den Schmerz anderer Leute. Tschau.

          2. Was willst du eigentlich von mir? ­čśé­čśé
            Warum andere Leute? Ehrlich gesagt finde ich, dass du in Kommentaren unter meinen Beitr├Ągen immer ein bisschen wirr redest, du springst von einem Thema zum n├Ąchsten und antwortest mir nicht auf eine Frage, damit ich dir gedanklich folgen kann.

            Nur um das einmal klar zustellen, ich spreche auf meinem Blog einzig und allein ├╝ber mein Leben mit meinen eigenen Problemen und meinem eigenen ‚Schmerz‘ und nicht den von anderen und schon gar nicht definiere ich mich ├╝ber irgendeinen Schmerz anderer. ­čśé
            Und wenn du das nicht lesen willst oder irgendwas dort hinein interpretierst, wovon du dich provoziert f├╝hlst, dann ist das wirklich nicht mein Problem, aber dann musst du es auch nicht lesen. Dar├╝berhinaus interessiere ich mich gemeinhin ├╝berhaupt nicht f├╝r irgendwelche Verschw├Ârungstheorien, egal welcher Art.

            Texte zu schreiben, also das Bloggen, ist meine Art von Therapie, ein Ventil. Wenn es mir psychisch nicht gut geht, und das kommt vor, dann bringe ich meine Gedanken zu Papier, das hat mir pers├Ânlich schon das Leben gerettet. Ich wei├č nicht was du von mir willst oder warum und was deine Intention ist wenn du bei mir kommentierst, aber ich finde, du tust das mit einer ├Ąu├čerst angriffslustigen und wirren Schreibweise, die echt einen unentspannten Eindruck auf mich macht.
            Das einzige was ich f├╝r dich tun kann, ist dir anzubieten zu erkl├Ąren wor├╝ber ich schreibe, damit du es verstehst, denn ├╝ber die Ursachen schreibe ich hier ├Âffentlich nicht. MEIN Schmerz geht n├Ąmlich niemanden was an und ich werde deswegen auch auf gar keinen Fall von meinem Pseudonym abweichen und meinen richtigen Namen im Blog nennen, das ist mir viel zu privat. Wenn du jetzt aber noch eine Frage an mich hast, bezugs meiner Texte oder meiner Identit├Ąt (weshalb auch immer du dich daf├╝r interessierst), dann biete ich dir ganz herzlich den Weg ├╝ber das Kontaktformular an, weil ich es ├╝berhaupt nicht vorziehe, solchen Unterhaltungen in den Kommentaren nachzugehen. Bei Redebedarf schreib mir gern mal eine Mail. Andernfalls… Ciao.

  2. Hallo Nika, ich freue mich sehr, dass deine Wunden heilen. Ich w├╝nsche dir, dass du gut und liebevoll diesen Prozess erlebst. Viele liebe Gr├╝├če und ein sch├Ânes Wochenende. Maya

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