Manchmal begegne ich Menschen und denke mir Geschichten zu ihnen aus.

Ich habe heute einen älteren Mann gesehen, er müsste so um die 70 gewesen sein. Er saß auf der Bank an einer Bushaltestelle und hatte schneeweißes, kurzes Haar. Obwohl er sich scheinbar zurecht gemacht hatte, war seine Erscheinung sehr trist, sein Jacket camouflierte perfekt mit dem Braun der Bank. In einer Hand hielt er einen Blumenstrauß, in der anderen einen Taschenregenschirm, der aus einem edlen schwarzen Ledergewand herausguckte und einen festen Griff aus Edelstahl hatte. Als der Bus kam, hatte er Schwierigkeiten dabei aufzustehen, aber er sah irgendwie glücklich aus, fast aufgeregt. Die Blumen hielt er fest umklammert als er behäbig, aber eilig, zur Bustür schritt. Es waren nicht einfach Rosen. Es waren ganz viele bunte Blumen, kleine und große, die in lila Papier verpackt waren. Es war kein perfekter Blumenstrauß, eher einer mit Charakter. Als hätte er jede einzeln ausgesucht und ihr einen eigenen Platz zugeteilt und einen Namen gegeben.

Ich will nicht lügen, ich hatte ein nicht unbeträchtliches Interesse daran, wohin es den Herrn wohl verschlägt. Am liebsten hätte ich ein Gespräch mit ihm anfangen, nur um herauszufinden, für wen die Blumen sind.

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