Gegen die Natur.

Ich fühle mich zum größten Teil meiner Lebenszeit durchsichtig. Und dünn häutig. Vielleicht sind mir deswegen meine Geheimnisse so wichtig. Und vielleicht vertraue ich deshalb nicht. Weil ich mit jedem Wort zu einer anderen Person einen Backstein von der Mauer nehme, die ich selbst in jahrelanger Schwerstarbeit um mich herum erbaut habe. Und dann stopfe ich die Löcher panisch mit irgendwas zu, das nicht annähernd so stabil ist.. zerknülltes Papier vielleicht.
Dabei trauere ich den Worten nicht mal halb so viel hinterher, wie jedem Wort, das ich für dich geschrieben habe, selbst wenn ich keines davon je verloren hätte. Weil keines davon gezählt hat. Weil jedes Wort davon nur warme Luft ist, die sich unter meine Haut legt und mich wie ein Ballon, wie ein Geist, durch den Tag schweben lässt. Geister fühlen doch nichts mehr, aber mein Laken ist meine Haut und sie ist dünn. Sie ist so dünn und ich bin so groß, dass du mich gar nicht mehr siehst. Stell dir eine Welt vor, die ein Herz in der Größe eines Menschenherzes hat, um sie am Leben zu erhalten. Das im Grunde genommen ist Liebe. Es ist ein Kampf gegen Naturgewalten. Herzen sind immer zu klein und zu schwach.
Niemand kann mir da was anderes erzählen.

halloweenbob656ghost

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