Offene Kreise

Glaubt es mir oder nicht, eigentlich bin ich glücklich. Warum sage ich das, obwohl es mir offensichtlich auch nicht gut geht? Weil ich diese perfekte Harmonie gar nicht erreichen kann. Ich bin wirklich glücklich. Aber das macht die andere Seite nicht unsichtbar, das ist ein Irrglaube. Es gibt nicht nur das eine oder das andere, da ist immer beides. Ist euch noch nie aufgefallen, dass die Mundwinkel eines Regenbogens nach unten zeigen?
Ich weiß nicht, ob ich heiraten werde, aber da ist dieser Ring in einem unbenutzten Portmonnaie in meiner Nachtschrankschublade neben Hustenbonbons und Manschettenknöpfen. Irgendwo zwischen Stereophonics und einem Sonnenbrillenhimmelblau flattert die Angst in mir wie Fledermäuse in einer Höhle in Mexiko, obwohl ich mich noch nie so erhaben gefühlt habe.
Ich denke viel. Manchmal denke ich so viel, dass mir ein Ereignis, das nur ein paar Stunden zurückliegt, wie ein Déjà-vu vorkommt, weil ich es schon Tausend mal im Kopf hin und her geworfen habe, wie ein Kind ein sperriges Paket an Weihnachten, um herauszufinden, was darin ist. Aber ich habe mich noch nie über das Geschenk gefreut.

Ich fange grade an mir darüber bewusst zu werden, dass ich damit Leben muss. Mit den Fledermäusen, traurigen Regenbögen und bösen Überraschungen, die keine Überraschungen sind, weil ich die Dunkelheit schon aus meinen Vorgängerleben kenne.

Diese Dinge sind wie ein Kreis, wie der Ring, der für Unendlichkeit steht. Und vielleicht will ich ja irgendwann heiraten, vielleicht ist das einfach der falsche Ring.

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