Author Archives: Nika

Höllenlöcher

Musik ist bewegte Luft. Musik ist Wind der weint. Ich weiß nicht wie ihr das seht, aber ich habe mich an einem sonnigen Tag noch nie wirklich lebendig gefühlt, eigentlich nur an windigen Tagen. Heute bin ich raus gegangen und der Wind peitschte mir ins Gesicht. Wenn ich jemals durch ein Zaunloch klettere, um auf der anderen Seite an einem besseren Ort wieder rauszukommen, dann soll es dort gefälligst windig sein. Wenn ich sterbe, dann erwarte ich auch Wind. Wenn es ruhig und sonnig ist, kann die Hölle nicht weit sein.
Bei dir kann sie auch nicht weit sein.

 

Lyrios

Das ist so merkwürdig, so lyrios. Das ist ein sich auflösendes Kaugummi im Mund, das ist ein schwarzer Klumpen aus Buchstaben. Meine Gefühle. Sonderbar, dass das Wort Hass sich genau dem selben Alphabet bedient, wie das Wort Liebe. Und das ist, wie ich meine, bei Menschen genau das gleiche. Niemand ist nur gut, wir haben alle das Potential, zu hassen oder böse zu werden.
Ich glaube, ich fühle zu viel – dafür brauche ich nur einen Blick in mein Blogarchiv zu werfen.

Mir tun Dinge weh, die kein Angriff sind. Sterne stechen mich wie Speere und die Soundwaves kleinster Geräusche peitschen gegen meine Haut wie an Klippen. Mir tut die Welt weh und ich stelle mich gegen sie. Ich allein gegen den ganzen Kosmos. Ob das Universum wohl Gefühle hat? Warum sollte die Natur keine haben? Vielleicht denkt sie sich: Was für ein Vollspasti da unten, ich habs schon mit 3 Tornados und ein paar Blitzen versucht, aber so oft kann ich keine Wirbelstürme durch Deutschland jagen, und meine Blitze können ihn ja nicht treffen, wenn der die ganze Zeit nur in seiner Bude hockt. Ich kann jedenfalls verdammt gut hassen. Allein schon deshalb, weil ich meinem eigenen Körper niemals mit Liebe begegnen könnte, wenn ich sauer auf ihn bin, weil er so schwach ist. Wie schnell auch immer ich Kriege mit Sternen anfange, genauso rasch enthusiasmiere ich mich für Dinge, weil ich zwar schnell wütend werden kann, aber nie nach dem Hass in etwas gesucht habe. Ich finde immer was Liebenswertes, sogar in dem Speer der auf mich zurast. Ich entflamme für Gerüche und Wörter. Lyrios. Ich liebe das Gefühl wenn ich meine Lippen gegeneinander massiere und noch mehr, wenn deine dazwischen ist. Ich liebe Farbzusammenstellungen. So sehr ich langes Warten mit einem sich schon auflösendem Kaugummi im Mund auch hasse, ich liebe gezwungene Pausen, weil in ungeplanten Perioden des Tages immer die Spannendsten Sachen geschehen. Wenn du nur willst.
Weißt du was? Ich liebe sogar die Angst wenn du bei mir bist. Einfach nur weil sie weniger ist, wenn du da bist. Ich finde Liebe in Weniger.

Ich kämpfe, obwohl ich nicht angegriffen werde, aber ich bin auch dankbar für jemanden, der mir nie was gegeben hat. Mir haben schon so viele geholfen, ohne überhaupt von meiner Existenz zu wissen.

Das ist doch Liebe, das ist gefährlich!

Das Entscheidende bei einer Sucht ist nicht unbedingt, dass man etwas braucht und haben will. Es geht darum, dass es wehtut, wenn es nicht da ist. Ich war mir nie im Klaren darüber, dich auf irgendeine Weise gebraucht zu haben, aber es tat immer arschweh, wenn du nicht da warst. Ich war eigentlich schon abhängig von dir, bevor die Droge beim Namen genannt wurde. Auch das ist vielleicht nicht ungewöhnlich.
Manche Leute konsumieren harte Drogen, ohne genau zu wissen, was das eigentlich für eine Droge ist. Und sie wollen es auch nicht wissen, sie fragen nicht danach. Aber irgendwann kommt mal jemand daher und sagt: ey, das ist doch Heroin, das ist gefährlich!
Das ist doch Liebe, das ist gefährlich. Warum siehst du das denn nicht? Es ist doch direkt vor deiner Nase! So ein Quatsch. Es geht mir gut, solange ich es nicht beim Namen nenne und solange du einfach bei mir bleibst. Bleib hier. Bleib hier! Aber wehe du kommst mir zu Nahe. Erzähl mir nichts über mein Leben. Berühre mich und bleibe dabei so weit weg von mir wie du kannst. Berühre mich, aber komm mir nicht zu nahe. Was? Zwischen uns gibt es kein Problem. ICH ZERREIßE DICH ÜBERHAUPT NICHT. Das Problem ist, dass du darüber gesprochen hast. Und jetzt verpiss dich, aber bleibe dabei hier.

Sternschnuppenvögel – Tonight is for our ghosts

Es ist eine einsame und klare Nacht. Der Himmel ist so klar, ich glaube ihn berühren zu können, und wenn die Vögel anfangen zu singen, fühle ich mich noch einsamer, weil ich ihre Namen nicht kenne. Alle anderen Namen die ich kenne, möchte ich nicht in den Mund nehmen, weil sie mir die Freiheit geschenkt haben, obwohl ich kein Vogel bin.
Menschen sind merkwürdig. Sie sperren einen Vogel ein und schenken einem Mann ohne Flügel den Himmel. Beide Taten dürfen irgendwelche bedeutungslosen Namen verrichten, aber sowohl der Vogel, als auch der Mann, stirbt daran.
In solchen Nächten spüre ich so wenig, ich könnte mir einen Fingernagel herausreißen und es würde nicht meine Lebendigkeit beglaubwürdigen. Ich könnte mir noch einen zweiten herausreißen und meine Taubheit würde noch immer nicht weichen.
Sollte ich nicht frei sein wenn ich in den Himmel sehe? Er scheint nur mir zugehören, aber seine Klarheit ist kalt und die Sterne stieben wie Speere auf mich zu. Ich wünschte, sie würden jemals bei mir ankommen. Eine Sternschnuppe soll mich aufspießen, ein Wunsch soll mir das Herz durchbohren. Wünsche kommen immer von Herzen. Wenn ich durch einen Wunsch sterbe, dann besteht die Möglichkeit, vor meinem Ableben noch ein einziges mal sowas wie Hoffnung und Zuversicht zu empfinden.
Nachts spüre ich meinen Körper als das was er ist, eine Hülle, Nachts bin ich der Geist, der ich einmal sein werde.
Jeder, der meinen Namen spricht, hat mich sowieso nie gekannt. Wer mich kennt, sind die Geister der Nacht. Ihr Heulen ist das Gezwitscher der Unterwelt wenn die Sonne gleißend ihre Scheinwerfer auf die unruhigen Seelen richtet, bevor sie einem Sternschnuppenvogel von ihrem letzten Wunsch erzählen.
Morgen für Morgen.

Stille Freiheit

Habt ihr schon mal in eurem Zimmer gesessen und der Welt beim Atmen zugehört? Isolation ist wie ein Geräuschgefängnis. Und Schmerz ist wie Musik. Du bist ein Instrument und die Welt zupft und zieht an dir. Immer. Aua.

Aber Angst ist ja nur ein Schnupfen und ein Unendlichkeitssymbol sieht sowieso aus wie ein Stundenglas. Die Unendlichkeit dauert nur eine Stunde und ich bin wie Sand, ich passe in jede Form, in die man mich bringen will.

Aber trotzdem ist Saharastaub in Deutschland und je mehr ich über die Welt nachdenke, desto kleiner kommt sie mir vor. So groß ist sie gar nicht. Und das Schmerzlied hört man nicht wenn ich laut genug schreie. Ich schreie eine Stunde lang so laut die Sterne an, dass Gläser zerspringen und manchmal… manchmal bin ich dann endlich in stiller Freiheit. Manchmal sogar für eine ganze Stunde Unendlichkeit.

Gegen die Natur.

Ich fühle mich zum größten Teil meiner Lebenszeit durchsichtig. Und dünn häutig. Vielleicht sind mir deswegen meine Geheimnisse so wichtig. Und vielleicht vertraue ich deshalb nicht. Weil ich mit jedem Wort zu einer anderen Person einen Backstein von der Mauer nehme, die ich selbst in jahrelanger Schwerstarbeit um mich herum erbaut habe. Und dann stopfe ich die Löcher panisch mit irgendwas zu, das nicht annähernd so stabil ist.. zerknülltes Papier vielleicht.
Dabei trauere ich den Worten nicht mal halb so viel hinterher, wie jedem Wort, das ich für dich geschrieben habe, selbst wenn ich keines davon je verloren hätte. Weil keines davon gezählt hat. Weil jedes Wort davon nur warme Luft ist, die sich unter meine Haut legt und mich wie ein Ballon, wie ein Geist, durch den Tag schweben lässt. Geister fühlen doch nichts mehr, aber mein Laken ist meine Haut und sie ist dünn. Sie ist so dünn und ich bin so groß, dass du mich gar nicht mehr siehst. Stell dir eine Welt vor, die ein Herz in der Größe eines Menschenherzes hat, um sie am Leben zu erhalten. Das im Grunde genommen ist Liebe. Es ist ein Kampf gegen Naturgewalten. Herzen sind immer zu klein und zu schwach.
Niemand kann mir da was anderes erzählen.

halloweenbob656ghost

Sekundenregen im Zeitzirkel einer Ewigkeit

Ich habe zu Tausenden ein Gestern erlebt und noch nie ein Morgen, obwohl ich ihn so oft am Himmel beobachte. Die Zeit, die kann man sehen. Der Horizont dahinten ist das, wo die Zeit sich überschlägt, wo die Sonne den Mond küsst und die Sterne abdanken.

Eine Gegenwart gibt es nicht. Mein Tag ist unterteilt in Momente, bei denen ich mir nie genau sicher bin, ob sie ein Gestern sind, oder heute entstanden sind. Und wenn ich ein Stück Morgen, ein Stück Zukunft, in mir trage, dann ist sie Angst, die wie Sekundenregen auf mich einprescht und das meist in Situationen, in denen die schönsten Momente geboren werden.
Wie viele Sekunden passen in eine Sekunde? Wie viel Angst in einen Moment? Wie viel gestern in den nächsten Morgen? Für wie viel Jetzt ist Platz in einem Tag?

Träume sind auch Momente, aber du kannst sie nicht berühren, weil sie am Horizont entstehen und das Präludium einer neuen Tagesmelodie sind. Ein Moment, der im Herzen geboren wird und nicht von anderen verdrängt wird, der ist die Mitte meiner Welt. Das ist der Zirkel der Zeit, kein sensibles Zupfinstrument an einer Kimmung. Der Moment ist rund wie die Ewigkeit – mein Gott, warum kann man ihn nicht auch endlos durchlaufen.

Ein Jetzt ist schon viel zu oft in mir gestorben, ohne vergangen zu sein.