Tag Archives: Depression

Die Wahrheit

Ich glaube, ich sollte etwas aussprechen. Die Wahrheit.

Manchmal fühle ich mich wie die Überreste von mir die es gäbe, wenn alle Flüssigkeit aus mir gewichen wäre. Alles Schlechte komprimiert. Wie eine getrocknete Frucht. Wie klein die Wahrheit ist und wie viel Raum sie doch einnehmen kann. Das was mir am meisten im Kopf herumgeht, spreche ich überhaupt nicht aus, ich versuche es seit jeher mit Stille zu töten. Das klappt nicht, denn einer stummen Wahrheit wird ein besonderer Rang zuteil, an der sich deine Person misst. Sie regiert, aber das akzeptiert man, solange man davon sowieso nicht viel spürt. Je weniger ich mich damit beschäftige, desto surrealer wird sie auch. Eigentlich ist sie nicht mal mehr sowas wie eine Erinnerung. Sie ist wie ein Traum, den ich längst vergessen habe.

Aber dann gibt es da diese Momente, in denen man sich mit einer übelkeitserregenden Intensität an ihn erinnert. Es schießt einem so jäh in den Sinn, wie Wasser in die Lungen. Das Leben ist eine See und Nachts ertrinke ich in dem Meer der kleinsten Wahrheit.

Ich hasse mich.

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Anziehend und Abstoßend

Es gibt diese Dinge auf die man zu läuft, weil sie einen anziehen. Aber nicht selten sind es genau diese Dinge, die einen – ob wenn sie einen anziehen – in einen Raum bringen, der schwarz und schwerelos ist. Hier ist die Liebe einfach nur ein Loch, in das du nicht mal fallen kannst, weil du schwebst. Das ist so als wäre dir übel, aber du kannst nicht kotzen. So fühlt sich das an. In diesem Zeitfenster dehnt sich die Zeit ins unermessliche.

Es wundert mich, dass so selten jemand darüber schreibt, wie belastend psychische Krankheiten sind. Nicht nur die Dinge, die einen traurig machen und einen in den Wahnsinn treiben sind belastend, sondern vor allem auch die Depression selbst. Der Wahnsinn ist schlimmer als alles, was mich hier her getrieben hat. Depression heißt, ich habe hoffnungsvoll die gesamte Menge an negativen Gefühlen dupliziert, um doch bitte an ihnen zu ersticken mögen. Das tue ich auch. Tag für Tag. Aber nur in meinen Träumen.
Könnte auch sein, dass ich Depression zum ersten mal als ein Problem anerkenne.

Im Wahnsinn existiert keine Erdanziehung und so viel Liebe ich hier auch fühlen kann, sie wird niemals zu dir durchdringen.

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Lyrios

Das ist so merkwürdig, so lyrios. Das ist ein sich auflösendes Kaugummi im Mund, das ist ein schwarzer Klumpen aus Buchstaben. Meine Gefühle. Sonderbar, dass das Wort Hass sich genau dem selben Alphabet bedient, wie das Wort Liebe. Und das ist, wie ich meine, bei Menschen genau das gleiche. Niemand ist nur gut, wir haben alle das Potential, zu hassen oder böse zu werden.
Ich glaube, ich fühle zu viel – dafür brauche ich nur einen Blick in mein Blogarchiv zu werfen.

Mir tun Dinge weh, die kein Angriff sind. Sterne stechen mich wie Speere und die Soundwaves kleinster Geräusche peitschen gegen meine Haut wie an Klippen. Mir tut die Welt weh und ich stelle mich gegen sie. Ich allein gegen den ganzen Kosmos. Ob das Universum wohl Gefühle hat? Warum sollte die Natur keine haben? Vielleicht denkt sie sich: Was für ein Vollspasti da unten, ich habs schon mit 3 Tornados und ein paar Blitzen versucht, aber so oft kann ich keine Wirbelstürme durch Deutschland jagen, und meine Blitze können ihn ja nicht treffen, wenn der die ganze Zeit nur in seiner Bude hockt. Ich kann jedenfalls verdammt gut hassen. Allein schon deshalb, weil ich meinem eigenen Körper niemals mit Liebe begegnen könnte, wenn ich sauer auf ihn bin, weil er so schwach ist. Wie schnell auch immer ich Kriege mit Sternen anfange, genauso rasch enthusiasmiere ich mich für Dinge, weil ich zwar schnell wütend werden kann, aber nie nach dem Hass in etwas gesucht habe. Ich finde immer was Liebenswertes, sogar in dem Speer der auf mich zurast. Ich entflamme für Gerüche und Wörter. Lyrios. Ich liebe das Gefühl wenn ich meine Lippen gegeneinander massiere und noch mehr, wenn deine dazwischen ist. Ich liebe Farbzusammenstellungen. So sehr ich langes Warten mit einem sich schon auflösendem Kaugummi im Mund auch hasse, ich liebe gezwungene Pausen, weil in ungeplanten Perioden des Tages immer die Spannendsten Sachen geschehen. Wenn du nur willst.
Weißt du was? Ich liebe sogar die Angst wenn du bei mir bist. Einfach nur weil sie weniger ist, wenn du da bist. Ich finde Liebe in Weniger.

Ich kämpfe, obwohl ich nicht angegriffen werde, aber ich bin auch dankbar für jemanden, der mir nie was gegeben hat. Mir haben schon so viele geholfen, ohne überhaupt von meiner Existenz zu wissen.

Sternschnuppenvögel – Tonight is for our ghosts

Es ist eine einsame und klare Nacht. Der Himmel ist so klar, ich glaube ihn berühren zu können, und wenn die Vögel anfangen zu singen, fühle ich mich noch einsamer, weil ich ihre Namen nicht kenne. Alle anderen Namen die ich kenne, möchte ich nicht in den Mund nehmen, weil sie mir die Freiheit geschenkt haben, obwohl ich kein Vogel bin.
Menschen sind merkwürdig. Sie sperren einen Vogel ein und schenken einem Mann ohne Flügel den Himmel. Beide Taten dürfen irgendwelche bedeutungslosen Namen verrichten, aber sowohl der Vogel, als auch der Mann, stirbt daran.
In solchen Nächten spüre ich so wenig, ich könnte mir einen Fingernagel herausreißen und es würde nicht meine Lebendigkeit beglaubwürdigen. Ich könnte mir noch einen zweiten herausreißen und meine Taubheit würde noch immer nicht weichen.
Sollte ich nicht frei sein wenn ich in den Himmel sehe? Er scheint nur mir zugehören, aber seine Klarheit ist kalt und die Sterne stieben wie Speere auf mich zu. Ich wünschte, sie würden jemals bei mir ankommen. Eine Sternschnuppe soll mich aufspießen, ein Wunsch soll mir das Herz durchbohren. Wünsche kommen immer von Herzen. Wenn ich durch einen Wunsch sterbe, dann besteht die Möglichkeit, vor meinem Ableben noch ein einziges mal sowas wie Hoffnung und Zuversicht zu empfinden.
Nachts spüre ich meinen Körper als das was er ist, eine Hülle, Nachts bin ich der Geist, der ich einmal sein werde.
Jeder, der meinen Namen spricht, hat mich sowieso nie gekannt. Wer mich kennt, sind die Geister der Nacht. Ihr Heulen ist das Gezwitscher der Unterwelt wenn die Sonne gleißend ihre Scheinwerfer auf die unruhigen Seelen richtet, bevor sie einem Sternschnuppenvogel von ihrem letzten Wunsch erzählen.
Morgen für Morgen.

Traumschlag

Heutzutage will man alles von jemandem erfahren, aber niemand will mehr sein Ohr an dein Herz legen. Mein Körpergefühl schwankt zwischen Gelee und Stein hin und her. Hauptsache kalt. Ich brauche niemanden. Und wenn doch, dann taste ich nach meinem Puls und höre mir selbst beim Leben zu. Kalte Herzen schlagen langsam. Es schlägt bis zum Gott erbarmen, Traumschlag um Traumschlag. Ich kann so viel lieben, aber der Hass wütet in mir wie ein Sturm aus der Hölle und dass dahinter die Sonne ist, mag sein, aber wärmen tut sie einen nicht durch das Unwetter hindurch. Wir reden in Metonymien und interessieren uns nicht mehr für Herzen. Ich lebe langsam und das Sanktuarium meiner Träume wirst du niemals im Stande sein zu begreifen. Ich brauche dich nicht.

Iscream 🍦

Es geht nicht vor und nicht zurück. Nicht vor und nicht zurück. In der Gegenwart geht es nicht vor und nicht zurück und ich bin trotzdem hin und weg. Also hin zu dir und wieder weg.

Die Stadt ist grau und es nieselt auf meine zwei Kugeln Iscream in der Waffel. Das Aerosol vermischt sich mit Cumarin und kriecht in meine Sinne wie die Wärme in mein Herz bei dem Gedanken an unser Vergangenes. Aber grad will ich kühlen. Meinen Hals, weil er so brennt. Habe Halsschmerzen. Wäre es nicht witzig (und fairer), wenn wir immer dann Halsschmerzen kriegen würden, wenn wir was ganz Böses gesagt haben? Wäre es nicht genauso schön, wenn wir, sobald wir was ganz Schönes sagen, auf einmal singen könnten? Ich kann leider nicht singen und ich habe immer noch Halsschmerzen.

Ich lecke mir gestern von den Lippen und lebe in morgen hinein. Ich bin gegen… wart und kühle mein Herz. And I scream. Jedes mal wenn ein Regentropfen auf mich fällt.

Angst vertuschen. Oh a oh…

Sich in schöne Formulierungen unschöner Dinge zu legen macht sie nicht bequemer, aber es ist vielleicht ein bisschen so, als würde man ein Monster mit Mamas Schminke bemalen. Es sieht anders aus. Und manchmal… da ist die Angst dann sogar weg.
Das Monster heute Abend bekommt roten Chanel-Lippenstift und Veilchenblauen Lidschatten. Außerdem male ich ihm noch ein paar schwarze Punkte unter die Augen. Dazu summe ich mit Kofpstimme video killed the radio star… video killed the radio star von the Buggles. Es sieht jetzt ein bisschen aus, wie eine Mischung als einer la Catrina, Twiggy und Alexander DeLarge. Wenn ich es mir recht überlege, dann hätte keine schöne oder hässliche Formulierung meine Gefühle besser zum Ausdruck bringen können, als der Ausdruck in den Augen dieses Monsters heute Abend. What did you say? Oh a oh…

Rosa Tode

Was denkst du?
Die Wolken sind schön heute Abend. Keine Schleierwolken, sondern bauschige, klare Wolkentürme. Sie sind rosa und sehen so weich aus, wie die Innenseite deines Armes sich anfühlt. Sie scheinen immer näher zu kommen, als würden sie die Stadt jeden Moment unter einer gewaltig-zarten Lawine begraben. Ob das wohl ein angenehmer Tod wäre? Von einer Wolke gefressen zu werden. Ich weiß es nicht, aber die Vorstellung fühlt sich heilend an.
Ich denke an eine Umarmung von dir und laufe dem Sonnenuntergang hinterher… ich will lieber von Liebe erschlagen werden, als von Dunkelheit verschluckt. Heute Abend.

Is losing me even a loss?

Ich bin zu viel. Zu da. Trotzdem habe ich das Gefühl, nicht richtig existent zu sein. Unsichtbar fühle ich mich zwar nicht, aber ich fühle mich so wenig nach mir selbst, dass sogar eine Reizüberflutung nichts in mir weckt. Ich will immer so viel spüren, aber ich fühle nichts. Ich spüre das Leben, aber nicht den, der es lebt.

Ich lege mich mit dem Leben an, um lebendig zu sein, und äußere dadurch trotzdem nur den Wunsch danach, zu sterben. Wir beide, das Leben und ich, wissen, dass ich trotzdem bleibe, denn sonst würde ich mich ja mit dem Tod unterhalten, und so entsteht ein sehr zynischer Dialog zwischen mir und dem Leben. Das ist für Außenstehende oft verwirrend, denn in vielen Dingen steckt Leben. Zum Beispiel auch in meiner Schwiegermutter, die ich dann ohne mit der Wimper zu zucken beim Kochen scharf kritisiere. Wenn ich mir das genau überlege, dann ist das vermutlich mutiger und rebellischer als jede Mutprobe, die ich je in meiner Jugend machen musste. Und davon gab es so einige, denn besonders damals als Teenager, wo man ohnehin auf der Suche nach der eigenen Identität ist, habe ich Gefahren überall gesucht.

Dann gibt es Menschen, in denen so viel Leben steckt, dass ich sie anbrüllen will. Ihre pure Existenz provoziert mich, weil sie eben so offensichtlich leben, dass es mich fast tötet. Das sind die Menschen, die ich wohl am meisten vor den Kopf stoße. Ich glaube, dass ich mich in so viel Leben irgendwo finden könnte. Obwohl das genau das ist was ich immer wollte, beängstigt mich die Vorstellung plötzlich. Bevor ich mich finde und fühlen kann, müsste dieser laute, unsensible Mensch erstmal sterben, der über die Jahre in mir herangewachsen ist, und die Kraft dafür aus meinen ganzen Wünschen und Träumen geschöpft hat. Nur jene die wissen, wie tief Sehnsüchtige gehen und wie groß Träume sein können, wissen, wie unermesslich stark und lebendig diese tote Persönlichkeit jetzt ist, die seither in mir wütet.