Tag Archives: Heilung

Angst vertuschen. Oh a oh…

Sich in schöne Formulierungen unschöner Dinge zu legen macht sie nicht bequemer, aber es ist vielleicht ein bisschen so, als würde man ein Monster mit Mamas Schminke bemalen. Es sieht anders aus. Und manchmal… da ist die Angst dann sogar weg.
Das Monster heute Abend bekommt roten Chanel-Lippenstift und Veilchenblauen Lidschatten. Außerdem male ich ihm noch ein paar schwarze Punkte unter die Augen. Dazu summe ich mit Kofpstimme video killed the radio star… video killed the radio star von the Buggles. Es sieht jetzt ein bisschen aus, wie eine Mischung als einer la Catrina, Twiggy und Alexander DeLarge. Wenn ich es mir recht überlege, dann hätte keine schöne oder hässliche Formulierung meine Gefühle besser zum Ausdruck bringen können, als der Ausdruck in den Augen dieses Monsters heute Abend. What did you say? Oh a oh…

Rosa Tode

Was denkst du?
Die Wolken sind schön heute Abend. Keine Schleierwolken, sondern bauschige, klare Wolkentürme. Sie sind rosa und sehen so weich aus, wie die Innenseite deines Armes sich anfühlt. Sie scheinen immer näher zu kommen, als würden sie die Stadt jeden Moment unter einer gewaltig-zarten Lawine begraben. Ob das wohl ein angenehmer Tod wäre? Von einer Wolke gefressen zu werden. Ich weiß es nicht, aber die Vorstellung fühlt sich heilend an.
Ich denke an eine Umarmung von dir und laufe dem Sonnenuntergang hinterher… ich will lieber von Liebe erschlagen werden, als von Dunkelheit verschluckt. Heute Abend.

Der Anti-Murphy, der das Lieben lernt

Der Schüler ging zum Meister und fragte ihn: „Wie kann ich mich von dem, was mich an die Vergangenheit heftet, lösen?“ Da stand der Meister auf, ging zu einem Baumstumpf und umklammerte ihn und jammerte: „Was kann ich tun, damit dieser Baum mich loslässt?“

Ich lebe nicht mehr in den Ruinen meiner Gewohnheiten, ab jetzt bin ich der Anti-Murphy. Ich schreibe morgens mein eigenes Horoskop und lebe danach. Du flüsterst mir in Venedig japanische Haikus zu und ich weiß nicht mehr, ob sie zitiert, oder frei erfunden sind, aber das ist mir egal. Wenn etwas schief läuft, dann verkrieche ich mich nicht mehr, ich bin höchstens ein bisschen erschöpft vom gerade biegen.
Manchmal muss man das Ganze betrachten, um zu verstehen. Die Wahrheit von etwas ganz großem in ganz wenig Worte zu packen, das ist eine Kunst. Wenn man ein Buch mit nur einem Satz beschreibt, dann ist es wie das Universum mit nur einem Wort zu beschreiben. Wenn man das schafft, dann kennt man bestimmt den Sinn des Lebens. Aber während man nach diesem Wort sucht, steht man vielleicht vor einem Menschen mit all seinen Facetten und merkwürdigen Angewohnheiten und einem fällt plötzlich das Wort Liebe ein. Ich frage mich, ob das nicht ausreicht, damit wir einen Sinn haben.
Ich schreibe mir mein eigenes Horoskop für den heutigen Tag: Heute liebst du. Dann veröffentliche ich einen Text auf meinem Blog, in dem ich unser Geheimnis laut raus schreie. Diese kleine Wahrheit darf ruhig jeder erfahren, aber alle Kôans, die in unserem kleinen Universum entstehen, bleiben etwas das nur wir wissen.

Marilyn-Monroe-Strategie

Wenn ich immer alle Regeln befolgt hätte, hätte ich es nie zu etwas gebracht.
– Marilyn Monroe

Ich bin so empfindlich, mir wird schlecht vom Rhythmus der Musik, die gerade laut genug ist, damit ich sämtliche Geräusche aus meiner Umwelt nicht mehr wahrnehme, von denen mir noch viel schlechter wird. Ich habe aufgehört, alleine zu sein und angefangen, Leere zu genießen. Ich versuche jeden Tag die Leute davon zu überzeugen wie gut es ist, in Kontakt mit sich selber zu treten, indem ich nicht mit ihnen rede. Hin und wieder schreibe ich eine Postkarte aus meiner Welt, in der ich so viel Zeit habe, dass ich aus Spaß eine Briefmarke male und neben die eigentliche klebe.

Ich fotografiere jeden Tag ein und denselben Baum, um mich davon zu überzeugen, dass etwas sterben und wieder zum Leben erwecken kann. Ich glaube Sachen eben erst wenn ich sie sehe. Ich weiß wie du lachst, ich weiß sogar wie es aus jedem Winkel aussieht und erfreue mich trotzdem jedes Mal daran, als würde ich es zum ersten Mal sehen. Warum kann ich dir glauben, aber dich nicht?

Manchmal sind wir nur dankbar, weil wir so ein schlechtes Gewissen haben, weshalb sich Dankbarkeit nie gut anfühlt. Ich verbiete meinem Gewissen von nun an zu sprechen, weil ich Tage ab sofort so früh wie möglich für abgehakt erkläre und plötzlich weiß ich, warum man vor Dankbarkeit weint – sie ist heilsam. Schließt Wunden und öffnet Tore zu neuen Ebenen.
Ich mache die Augen zu, schlage den Atlas auf, tippe mit dem Zeigefinger auf einen Ort und dann schreibe ich über ihn. Was ich rieche, welche Pflanzen und Tiere es dort meiner Meinung nach gibt. Was ich sehe, wenn ich dort in den Himmel blicke.

Ich klaue meinem Babysitterkind knete, weil sie rosa ist und lecker aussieht und ich sie nicht mehr loslassen kann. Und bringe ihm beim nächsten Mal einen ganzen Kasten neuer mit. Ich gehe spazieren, ohne Ziel. Wenn man ein Ziel hat, sieht man seine Umwelt nicht. Man kann Jahre an einem Laden vorbei gehen ohne zu wissen, dass er auf der anderen Straßenseite existiert. (Naturbäcker Eichel lässt Grüßen.) Ich will einen eigenen Stand auf einem Flohmarkt haben, wo Leute alte Zeitschriften untereinander austauschen können. Ich sammele ab sofort was, ich weiß noch nicht was, aber ich nehme mir ein Beispiel an der Maus Frederick, die anstatt Vorräte, Emotionen sammelt. Vielleicht sammele ich auch einfach von nun an Kinderbücher. Hättet ihr gedacht, dass mich zu meinen Texten auf diesem Blog mehr Kinderbücher inspiriert haben, als Erwachsene Literatur?

Ich male mit Kreide Rebus-Rätsel auf Straßen, die alle die gleiche Bedeutung haben, aber immer wieder anders aussehen. Ich stelle der netten Frau aus dem Waschsalon ein Geschenk hin kurz bevor sie ihre Wäsche abholt, weil sie mir immer mit der Bedienung geholfen hat. Und wenn es ganz schlimm wird, dann schreibe ich einen Reiseführer für meine eigene Welt, in der ich gerade bin. Mache Musik an, und lese ihn mir durch, immer wieder, um hier zu überleben und irgendwann wieder aufzublühen, auch wenn die Bäume das vielleicht schneller können.

Eine der wichtigsten Regeln im Leben ist, zu funktionieren. Ich funktioniere jetzt einfach nicht und ich glaube, ich bin noch nie so viel geheilt wie jetzt gerade. Ich tue das einfach solange, bis ich mir erlauben kann, schlechte Gefühle zuzulassen, weil sie mich dann nicht mehr zerreißen. Bis es keinen Regen mehr gibt, der meine Kreidebilder wegwischt. Bis ich dich und mich ein bisschen mehr glauben kann.

Oh mama mia, mama mia, mama mia, let me go.

Ich lese Textpassagen in Büchern, die mir irgendwann mal was bedeutet haben. Höre Lieder, die mir heute fremd sind, obwohl sich meine Lippen automatisch dazu bewegen. Liebe auf dieselbe Selbstverständlichkeit. Baue Kastanienmännchen. Löffele die Reste aus dem ausgekratzten Nutellaglas mit einem viel zu kleinen Löffel. Und lecke meine Fingerspitzen ab wie Wunden. Ich tunke meine Finger in Kerzenwachs und singe lautlos Bohemian Rhapsody. Ich lasse die Nacht in mir sieden. Ich lutsche alte, hart gewordene Bonbons. Binde anderen keinen Bären auf, sondern Warteschleifen. Fühle mich nach Macbeth. Du bist Charles Hardin Holley und ich the Crickets. Ich lasse den Hass in mir verhärten, damit er mir irgendwann wie ein Stein vom Herzen fallen kann. Wenn er will. Ich puste über einen farblosen Lavendelkranz im Bücherregal. Ein Besinnungs-Neophyt. Ich lasse die Welt an mir vorbeiziehen wie Salzkraut, dass durch die Steppen rollt. Ich lasse den Morgen wallen. Solange er mich nicht überrollt.

Psychokids

Ich bin nicht glücklich. Aber wenn Depression bedeutet, irgendwann verrückt zu werden, dann möchte ich gerne in einem glücklichen Moment gefangen sein. Das sind schließlich auch Teile der Vergangenheit. Von mir aus lass mich ein Psycho sein, aber bitte einer von denen, die kichernd in der Ecke sitzen.
Ich will (deine) Milchschaumbärte ablecken und mich Ängsten stellen, in dem ich sie mir auf der Zunge zergehen lasse. Einschneidenden Erlebnissen entgehe ich, wenn ich ihre Klingen genüsslich wie ein mit Marmelade beschmiertes Brotmesser ablecke. Und ihr fragt euch, warum manche Leute nie erwachsen werden; Kindsein rettet. Ich will irre sein vor Glück und mit dir über das merkwürdige Aussehen meiner Dämonen lachen. Ich will jemanden haben, der mitlacht, obwohl er sie nicht sehen kann. And as we ran from the cops we laughed so hard, it would sting.

Die Farben des Regens

Ich mag den Geruch von Regen auf warmem Asphalt.
Wenn es Nachts draußen gewittert und der Regen gegen die Scheiben klatscht.

Ach komm. Ihr Klimapoeten. Was wisst ihr schon vom Regen. Ihr seid aus Zucker. Ihr seid keine Freunde des Regens, nein. Ihr benutzt ihn in euren lyrischen Abhandlungen. Würdigt nicht den Regen, sondern die Distanz zu ihm. Ihr kennt nur das Prasseln gegen die Scheiben und meint seine Sprache sprechen zu können. Ihr riecht seine Anwesenheit auf biederem Stein und meint den Geruch des Regens zu kennen. Das ist nicht das Kissen, auf dem er Nachts schläft. Es riecht nicht nach ihm. Stadtkind, du weißt nicht wie Regen duftet.
Er roch erdig-dumpf im Gebüsch und würzig-klamm, wenn er sich an der Rinde bestimmter Bäume festsetzte. Er prasselte nicht. Er trommelte auf die Baumkronen über dir. Er verschwamm nicht die Sicht. Er färbte Blätter dunkelgrün. Rinden dunkelrot. Und Moos in Neonfarben. Schuf Kontraste zum sich klärenden Himmel. Hangelte sich von Bäumen weiter mit dicken Tropfen. Fiel langsam und schwermütig durchs tanzende Blätterdach auf deine Wange. Es waren die Tropfen, die einem immer im Nacken landeten. Du ekeltest dich davor. Saugte sich in deinen Klamotten fest wie ein Knutschfleck am Hals. Wusstest nicht, dass es eine Liebkosung war. Regen waren keine Tropfen. Regen waren Pfützen, durch die man hindurch fuhr, um es zu teilen wie Moses. Und manchmal gab er dir das Gefühl es geschafft zu haben. Regen prasselte nicht!! Regen rauschte wohlwollend. So laut, dass es wieder leise war. Wenn er dir beim Fahren ins Gesicht klatschte. Sodass es weh tat. Dann tadelte er dich. Fahr langsamer. Wenn er plätscherte, erzählte er dir von Orten, an denen er schon gewesen war. Wenn er sich auf einer Lichtung über dir erschüttete, dann kuschelte er. Schmiegte sich mit deinem Pullover an deine Haut. Flüsterte dir ins Ohr wie es war ins offene Meer zu fallen und ein Teil vom Ganzen zu werden. Wie er in seinem Element aufging. Wie ich beim Biken. Hatten sowas von was gemeinsam. Er mochte mich, obwohl ich so gern gegen den Strom schwamm. War bei mir als ich siegte und applaudierte mir. War bei mir als ich verlor und stand mir bei als Wolkenbruch. Er knisterte, zischelte und Pfiff. Wenn er bei mir an die Scheiben donnerte hieß es: komm zu mir, Kumpel.

tumblr_n3si979tl21rfp1lho3_r1_1280