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Das ist doch Liebe, das ist gefährlich!

Das Entscheidende bei einer Sucht ist nicht unbedingt, dass man etwas braucht und haben will. Es geht darum, dass es wehtut, wenn es nicht da ist. Ich war mir nie im Klaren darüber, dich auf irgendeine Weise gebraucht zu haben, aber es tat immer arschweh, wenn du nicht da warst. Ich war eigentlich schon abhängig von dir, bevor die Droge beim Namen genannt wurde. Auch das ist vielleicht nicht ungewöhnlich.
Manche Leute konsumieren harte Drogen, ohne genau zu wissen, was das eigentlich für eine Droge ist. Und sie wollen es auch nicht wissen, sie fragen nicht danach. Aber irgendwann kommt mal jemand daher und sagt: ey, das ist doch Heroin, das ist gefährlich!
Das ist doch Liebe, das ist gefährlich. Warum siehst du das denn nicht? Es ist doch direkt vor deiner Nase! So ein Quatsch. Es geht mir gut, solange ich es nicht beim Namen nenne und solange du einfach bei mir bleibst. Bleib hier. Bleib hier! Aber wehe du kommst mir zu Nahe. Erzähl mir nichts über mein Leben. Berühre mich und bleibe dabei so weit weg von mir wie du kannst. Berühre mich, aber komm mir nicht zu nahe. Was? Zwischen uns gibt es kein Problem. ICH ZERREIßE DICH ÜBERHAUPT NICHT. Das Problem ist, dass du darüber gesprochen hast. Und jetzt verpiss dich, aber bleibe dabei hier.

Warmer Regen 🌧

Manchmal muss man einfach nur vor die Tür gehen. Ich gehe raus und es riecht nach Regen, bevor es überhaupt angefangen hat zu regnen. Es ist so, als würde ich deine Wärme spüren, bevor du mich berührst. Wie auserkoren und restriktiv ich mich auf einmal fühle, jetzt wo der Äther zu mir spricht. Der Regen gibt mir in diesem Moment mehr Kraft als deine Wärme es je tat. Und das will was heißen, denn die hat mir gestern immerhin das Leben gerettet, als ich mal wieder in deinen Armen zu sterben drohte.

Ich weiß nicht, ob der Regen mein Gesicht wäscht oder mit mir zusammen weint, aber er ist mein bester Freund und er weiß, dass es mir schlecht geht. Ich bin so traurig, ich werde schon wieder glücklich. Und ich bin so froh, dass du mich nicht kennst.

Hast du einen Traum? Oder nur Sehnsucht nach Sehnsucht?

In Märchen warten Liebende immer Hundert Jahre aufeinander. Ich bin kein Prinz, ich bin ein anarchistischer Poet. So wie sich die Dunkelheit nach dem Licht sehnte, verlange ich nach dir. Obwohl mein Siechtum mehr war als ich tragen konnte, und man es als Romantiker heutzutage eben so trägt, werte ich den Begriff auf. Sehnen ist schöpfend. Durch Wollen bin ich mehr, obwohl ich nicht besitze, und je mehr ich will, desto mehr Angst habe ich vor den Pretiosen. Nimmersatt. 
Dann schütze ich mich. Indem ich hinterfrage, ob du wirklich ein essentieller Teil meines Traumes bist. Und das geht sogar ganz ohne, dass die Intensität des Verlangens abflaut. Manchmal verwechsele ich ja sogar Hunger mit Müdigkeit. Weil ich will. Doch heißt das nicht, dass ich überhaupt nicht müde bin oder gar, dass ich die Nacht mitsamt meinen Träumen fürchte. Ich fürchte mich nicht mehr. Schon viel zu lange nicht mehr. As long as you make me sad, I will write. Du bist mein Traum und ich gebe ihm jeden Tag einen anderen Namen. Solange Dunkelheit mir innewohnt, begehre ich das Licht, weil man manchmal leidet, um zu sein.
Und plötzlich weiß ich, was die Leute damit meinen wenn sie sagen, dass sie sich selbst Schaden um was zu spüren, denn wenn wir mal ehrlich sind, dann kommt das doch aufs gleiche hinaus. Und du hast vom Wollen gewusst. Wie schäbig es ist, in einer Welt ohne dich geliebt werden zu wollen.

Situationships

Wie viel Wasser hatten die Wolken? Warum hatten meine Augen mehr? Du wolltest meine Tränen mit dem Feuer in deinen Augen stoppen. Natürlich ging das, alles war möglich. Elemente konnten noch gegeneinander kämpfen, ohne dass der Sieger vorher feststand. Straßenmusik machte noch sentimental, aber wir waren nicht larmoyant. Wir mussten unsere Meinung nicht sagen, wir konnten sie einfach leben, denn alles war möglich. Wir waren möglich. Wir verfingen uns in Situationships, bestellten eine Ewigkeit To Go und nannten es Liebe. Und vielleicht war es das. Weil Liebe und Freiheit einander bedingten. Aber guck mir nicht in die Augen, um meinen Schmerz zu töten. Dort kannst du ihn am besten sehen, aber nicht berühren. Finde mich in Situationen, wo ich am meisten zerstört bin und liebe mich dort.

Sturmherzen & Wishbones

Knochen sind wie eine Rüstung, oder? Sie stützen einen, schützen das Innerste, das Herz liegt hinter den Rippen wie in einem Käfig. Gleichzeitig sind sie wie ein Geheimnis, das man unter der Haut trägt. Etwas, das Schaden nehmen und brechen kann. Woraus wir Menschen gemacht sind – das interessiert mich sehr.

Ich weiß, dass der Wind so kalt um mich peitschte wie Schläge und dass deine Schläge so warm waren wie Küsse. Küsse, die wie der Wind nur eine Illusion sind, weil er eigentlich gar nicht da ist, aber trotzdem Bäume mitsamt Wurzel aus aus der Erde reißt.
So wie Küsse Herzen.
Ich sah den Himmel bei Tag und bei Nacht in jeder erdenklichen Farbe. Komplementär zur Uhrzeit. Und der Angst gab ich Raum einzig dadurch, dass ich das Denken nicht einstellte. Ich träumte in einer Nacht komplette Leben durch und verschlief den nächsten Tag. Wie konnte es sein, dass ich früher so oft nicht schlafen konnte? Man, ich könnte das ganze Jahr verschlafen und dabei noch lebendiger sein, als zu meiner aktivsten Zeit, weil ich mit dem Leben in meinem Kopf komplett ausgelastet bin, wenn ich mich dem völlig hingebe.

So viel Einsamkeit wie in mir ist, kannst du gar nicht festhalten. Am wenigsten mit zwei Armen, weil ihre Konsistenz bröckelig ist, deswegen entgleite ich dir sogar wenn ich es nicht will. So viel Wut die in mir wächst, kannst du gar nicht rausreißen, nicht mal mit deinen Küssen.
Nichtmal damit.
Ich weiß, dass ich kaputt gehe. Ich zerbröckelte zwischen Supermanarmen. Zerfloss in viel zu großen Pullovern und tropfte von meinem Wishboneskelett.
So viel Wutkraut kannst du nicht jäten.
Nichtmal damit.
Nichtmal damit.
Tropf, tropf.
Tropf.

Es gibt viele Redewendungen. Man sagt, dass einem was in den Knochen steckt, das einem was in die Knochen fährt, oder man etwas in den Knochen spürt – beinahe, als würden mir mit den Knochen spüren. Mich wundert es, dass noch nie jemand behauptet hat, die Seele stecke in den Knochen, wir vermuten sie doch sonst überall. – Der Dieb in der Nacht

Make a wish.

Rosa Tode

Was denkst du?
Die Wolken sind schön heute Abend. Keine Schleierwolken, sondern bauschige, klare Wolkentürme. Sie sind rosa und sehen so weich aus, wie die Innenseite deines Armes sich anfühlt. Sie scheinen immer näher zu kommen, als würden sie die Stadt jeden Moment unter einer gewaltig-zarten Lawine begraben. Ob das wohl ein angenehmer Tod wäre? Von einer Wolke gefressen zu werden. Ich weiß es nicht, aber die Vorstellung fühlt sich heilend an.
Ich denke an eine Umarmung von dir und laufe dem Sonnenuntergang hinterher… ich will lieber von Liebe erschlagen werden, als von Dunkelheit verschluckt. Heute Abend.

Wenn ein Herz sich in die Liebe verliebt

Paperskin sagst du manchmal wenn du über meine Haut streichst. Wenn ich welche habe, dann nur, weil du welche um mein Steinherz gelegt hast und Ching, Chang, Chong gewonnen hast. Ist es nicht merkwürdig, dass wir mit der Liebe solche Spiele spielen?

Paperskin sagst du manchmal wenn du über meine Haut streichst und betrachtest mich, als würdest du die Marginalien lesen, die andere auf mir hinterlassen haben. Ich erinnere mich nur Bruchstückhaft. Sie berühren mich schließlich nur peripher, so wie ein zerknittertes Blatt Papier eben, das man um einen Stein gewickelt hat.

Paperskin sagst du manchmal wenn du über meine Haut streichst und betrachtest mich, als würdest du die Marginalien lesen, die andere auf mir hinterlassen haben. Dann schreibst du selber Myriaden von Zeichen auf ihr nieder und ich weiß nicht ob du das absichtlich tust, oder Kussaficionados das einfach aus versehen machen. Aber im nächsten Moment beflügelt mein Innerstes das Wissen um ein eigentlich flatterndes Paperheart, das im Gestein selbst so unberührt und unzerknittert liegt, wie ein Embryo im Mutterleib. Ich bin autark und meine Beine sind nicht weich. Ich bin einfach nur schwach situiert unter so einem großen Stein, okay?

Paperskin sagst du manchmal wenn du über meine Haut streichst und betrachtest mich, als würdest du die Marginalien lesen, die andere auf mir hinterlassen haben. Dann schreibst du selber Myriaden von Zeichen auf ihr Nieder und ich weiß nicht, ob du das absichtlich tust, oder Kussaficionados das einfach aus versehen machen. Erotomanisch malst du Bilder über Chiffrezeichen und Expletive in anmaßenden Sätzen, die in Schriftform an Sinn verloren haben. Dass man im Leben hin und wieder verletzt wird macht Sinn, aber nicht dass für immer eine Narbe dort bleibt.

Ich bin so ein Querulant, dass ich mich darüber auch noch beschwere, aber mein Paperheart heroisiert die pittoreske neue Haut und das beunruhigt mich. Es ist so aufgeregt, ich habe angst, wenn ich es freilasse, dann reißt es sich aus versehen selber durch. Und fällt dann zu Boden wie ein Schmetterling mit nur einem Flügel. Schweren Herzens, ein Steinschmetterling. Deine Liebe erweckt Fossile zum Leben und Steine zum Fliegen. Ich bin durch so viele Feuer gegangen und stehe noch hier, aber bring mich bitte nicht zum brennen, wenn du das Feuer in mir entzündet hast. Man überlebt nur eines der beiden Feuer.

Born to be mild

Wenn ich jemanden nicht mag, dann bin ich distanziert höflich zu ihm. Wenn ich jemanden mag, dann habe ich eine große Klappe. Na gut, wenn ich wütend bin, dann sage ich das immer, aber grundsätzlich bin ich offen, vorlaut und frech wenn ich jemanden mag. Man braucht kein Genie sein um zu erraten, dass mir das nicht immer Freunde einbringt.
Du bist das anthropomorphe Gedicht, was der wildeste Poet schon immer mal schreiben wollte. Du bist ein anthropisches Gottesbild und das hier ist keine Lyrik, sondern das Ergebnis der Koinzidenz kosmischer Ereignisse. Ich glaube nicht an Schicksal, aber an einen Weltraum. Ich glaube nicht an Götter, aber an dich. Irgendwie bin ich nur lebendig, um irgendwann einmal in deinen Armen sterben zu können.

Liebe ist

Liebe ist. Schallmauern mit Herzschlägen durchbrechen. In Schrecksekunden im Mitternachtsmond aufblühen. Ein verwelkendes Untertauchen in so tiefliegende Zweisamkeit, dass man nach Atem ringend auftaucht als neuer Mensch wie ein Phoenix aus der Asche. Liebe ist. Trotz dieser kolossal-pathologischen Zweisamkeit nervös zu sein. Nur weil man alle Eigenschaften kennt heißt es nicht, man könne sie nicht immer wieder entdecken. Entdecken heißt in diesem Fall nicht, neu zu fühlen, sondern erneut sowas Neues fühlen. Immer wieder. Liebe ist. Die Knochen gebrochen bekommen, von hämmernden Herzen. Und zusammen darüber lachen.

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Liebe ist Aufblühen und Verwelken. Im Marianengraben als tote Blume verbrennen und auftauchen als Vogel, der nur fliegt, weil er die Luft immer wieder neu unter seinen Flügeln spüren will.

Anhaltend (Ein Text über Trauer)

Es gibt diese bestimmte Art der Trauer. Eine Trauer, die irgendwie anhält. Wenn sie anhält und du im Taxi bist. Dann rüttelst du an dieser Tür, aber sie geht einfach nicht auf und niemand kann reingucken, weil die Scheiben verdunkelt sind. Trauer ist Liebe zulassen. Und die Taxitür zulassen. Anhalten. Rütteln. Ich will doch hier raus und dich umarmen… Trauer ist der alte Herr aus der Nachbarschaft, der immer am Fenster sitzt und sich über die lauten Bälger beschwert. Trauer ist hassen. Weil es in einem selbst liegt. Er hasst das Kinderlachen nur, weil er es selbst vermisst. Traurig ist, dass der junge Mann in der Bahn seine Kopfhörer rausholt, weil die Jungs hinter ihm über seinen ehemaligen Sportverein sprechen. Nicht, dass sie ihn erkennen würden. Er saß ja nur vor ein paar Jahren mal ein halbes Jahr auf der Ersatzbank. Traurig ist, alles zu geben und trotzdem zu scheitern. Wenn alles nicht genug ist. Du. Nicht genug bist. Traurig ist das Mädchen, das mit ihrem Hund Gassi geht und die Straßenseite wechselt, weil sie nicht an der Gruppe Jugendlicher vorbeigehen will. Sie muss nicht immer wieder daran erinnert werden, dass sie alleine ist. Traurig ist die Frau, die aufgelöst auf dem Boden rumkrabbelt, weil sie den Schwangerschaftstest verloren hat. War nach der Fehlgeburt doch der einzige Beweis dafür, dass dieses Kind wirklich existierte. Trauer ist dichtmachen. Ein paar Risse im Zelt flicken. Ein paar Schlupflöcher in seiner Höhle mit Kieselsteinen zurollen. Traurig sind keine müden Gesichter. Jene, die physisch erschöpft sind, sind doch oft die Glücklichen. Ihr Neugeborenes hielt sie auf Trab. Aber nicht jedes Gesicht mit schweren Lidern hat zu wenig geschlafen. Wirklich traurig sind all die anderen müden Gesichter. Trauer sind die ineinander verschränkten Hände des Obdachlosen. Nicht, weil ihm kalt ist. Sondern weil er sich vorstellt, seine Frau würde die eine Hand halten. Seine Frau, die vor zehn Jahren an Krebs starb. Bevor er auf der Straße gelandet war. Trauer sind Tränen, die nicht fließen, weil man Schmerzen hat. Sondern weil man alleine ist und Schmerzen hat. Trauer ist nicht, einen Song anmachen, der einen an was Negatives erinnert und eine Träne aus dem Augenwinkel zu tupfen. Traurig ist der vorbeihuschende Schatten dieser Gestalt in einer Seitenstraße, die Hals über Kopf aus der Bar flüchtete, weil auf einmal dieser eine Song gespielt wurde. Traurig ist, ein Paket ungeöffnet wieder zu bekommen. Wenn Geschenke nicht angenommen werden. Ist doch manchmal der einzige Weg, jemandem seine Liebe zu zeigen. Traurig ist, wenn Zuneigung nicht ankommt. Wenn. Du. nicht ankommst. Fahren Sie bitte weiter. Ich will endlich ankommen. Gegen die Scheibe donnern. Hinter der die Menschen schnellen Schrittes aneinander vorbei hechten. Zur Arbeit. Zum Zahnarzt. Ins Fitnessstudio. Zum Training. Zum Frauenarzt. Zum Supermarkt. In die Einzimmerwohnung. Zur Frau im Krankenhaus. Zum (Himmels)zelt, eine weitere Nacht, ohne Dach über dem Kopf. Traurig ist zu lieben und nur aus zusteigen, um das Loch zu begutachten, das Armors Pfeil in den Reifen geschossen hat. Wir halten an. Und du kannst sogar aussteigen. Umarme mich.
Dichtmachen.

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Weiterfahren, weil Trauer anhält.