Tag Archives: vanitasmarks

Lyrios

Das ist so merkwürdig, so lyrios. Das ist ein sich auflösendes Kaugummi im Mund, das ist ein schwarzer Klumpen aus Buchstaben. Meine Gefühle. Sonderbar, dass das Wort Hass sich genau dem selben Alphabet bedient, wie das Wort Liebe. Und das ist, wie ich meine, bei Menschen genau das gleiche. Niemand ist nur gut, wir haben alle das Potential, zu hassen oder böse zu werden.
Ich glaube, ich fühle zu viel – dafür brauche ich nur einen Blick in mein Blogarchiv zu werfen.

Mir tun Dinge weh, die kein Angriff sind. Sterne stechen mich wie Speere und die Soundwaves kleinster Geräusche peitschen gegen meine Haut wie an Klippen. Mir tut die Welt weh und ich stelle mich gegen sie. Ich allein gegen den ganzen Kosmos. Ob das Universum wohl Gefühle hat? Warum sollte die Natur keine haben? Vielleicht denkt sie sich: Was für ein Vollspasti da unten, ich habs schon mit 3 Tornados und ein paar Blitzen versucht, aber so oft kann ich keine Wirbelstürme durch Deutschland jagen, und meine Blitze können ihn ja nicht treffen, wenn der die ganze Zeit nur in seiner Bude hockt. Ich kann jedenfalls verdammt gut hassen. Allein schon deshalb, weil ich meinem eigenen Körper niemals mit Liebe begegnen könnte, wenn ich sauer auf ihn bin, weil er so schwach ist. Wie schnell auch immer ich Kriege mit Sternen anfange, genauso rasch enthusiasmiere ich mich für Dinge, weil ich zwar schnell wütend werden kann, aber nie nach dem Hass in etwas gesucht habe. Ich finde immer was Liebenswertes, sogar in dem Speer der auf mich zurast. Ich entflamme für Gerüche und Wörter. Lyrios. Ich liebe das Gefühl wenn ich meine Lippen gegeneinander massiere und noch mehr, wenn deine dazwischen ist. Ich liebe Farbzusammenstellungen. So sehr ich langes Warten mit einem sich schon auflösendem Kaugummi im Mund auch hasse, ich liebe gezwungene Pausen, weil in ungeplanten Perioden des Tages immer die Spannendsten Sachen geschehen. Wenn du nur willst.
Weißt du was? Ich liebe sogar die Angst wenn du bei mir bist. Einfach nur weil sie weniger ist, wenn du da bist. Ich finde Liebe in Weniger.

Ich kämpfe, obwohl ich nicht angegriffen werde, aber ich bin auch dankbar für jemanden, der mir nie was gegeben hat. Mir haben schon so viele geholfen, ohne überhaupt von meiner Existenz zu wissen.

Freelingsgefühle

Ich fühle mich ständig unverstanden, obwohl ich nie darum bete, verstanden werden zu wollen. Wenn man einen leeren Raum zustellt, dann bleibt er immer noch genauso dreckig wie vorher. Man kann Leere füllen, aber die Einsamkeit bleibt bestehen. Ich weiß nicht, wann ich mich so verändert habe. War es bevor ich anfing den Vögeln beim Zwitschern zuzuhören oder danach? Menschen tun seltsame Dinge, wenn es ihnen schlecht geht. Schreiben ist nicht seltsam, aber das was man schreibt, kann seltsam sein. Kann man etwas Seltsames noch seltsamer tun? Und wie schlecht geht es einem dann? Ich fühle mich so unrein und dreckig, ich sehne mich nach Heilfasten. Frühjahrsputz im vollgestellten Raum. Wann hast du mich so verändert? War es hier schon immer so dreckig? Waren die Vögel schon immer so laut, oder liegt es an der Uhrzeit? Ich denke immer, ich habe keine Gefühle, aber wenn ich Einsamkeit fühlen kann, dann fühlt man ziemlich viel, nicht wahr? Wenn mir jetzt jemand sagen würde, dass die Vögel nur für mich singen, dann würde ich vor Dankbarkeit in Tränen ausbrechen. Aber sie würden auch singen, wenn ich nicht da wäre. In Wahrheit kann man nichts verändern. Ein Trinker trinkt auch dann weiter, wenn er fast daran gestorben wäre und Kinder hat. Ich sterbe auch und du kannst mich nicht verändern, ich bin einfach nur vollgestellt und ich fühle eigentlich nicht mal den Dreck. Und wie kann jemand sowas wie Einsamkeit fühlen, wenn kein Naturwunder auf dieser Welt ihn zu Tränen rühren kann. Nicht, seitdem du es getan hast, Naturwunder. Ich war nicht dankbar und ich… glaube das hat mich verändert, deshalb sind die Vögel so laut.

Iscream 🍦

Es geht nicht vor und nicht zurück. Nicht vor und nicht zurück. In der Gegenwart geht es nicht vor und nicht zurück und ich bin trotzdem hin und weg. Also hin zu dir und wieder weg.

Die Stadt ist grau und es nieselt auf meine zwei Kugeln Iscream in der Waffel. Das Aerosol vermischt sich mit Cumarin und kriecht in meine Sinne wie die Wärme in mein Herz bei dem Gedanken an unser Vergangenes. Aber grad will ich kühlen. Meinen Hals, weil er so brennt. Habe Halsschmerzen. Wäre es nicht witzig (und fairer), wenn wir immer dann Halsschmerzen kriegen würden, wenn wir was ganz Böses gesagt haben? Wäre es nicht genauso schön, wenn wir, sobald wir was ganz Schönes sagen, auf einmal singen könnten? Ich kann leider nicht singen und ich habe immer noch Halsschmerzen.

Ich lecke mir gestern von den Lippen und lebe in morgen hinein. Ich bin gegen… wart und kühle mein Herz. And I scream. Jedes mal wenn ein Regentropfen auf mich fällt.

Angst vertuschen. Oh a oh…

Sich in schöne Formulierungen unschöner Dinge zu legen macht sie nicht bequemer, aber es ist vielleicht ein bisschen so, als würde man ein Monster mit Mamas Schminke bemalen. Es sieht anders aus. Und manchmal… da ist die Angst dann sogar weg.
Das Monster heute Abend bekommt roten Chanel-Lippenstift und Veilchenblauen Lidschatten. Außerdem male ich ihm noch ein paar schwarze Punkte unter die Augen. Dazu summe ich mit Kofpstimme video killed the radio star… video killed the radio star von the Buggles. Es sieht jetzt ein bisschen aus, wie eine Mischung als einer la Catrina, Twiggy und Alexander DeLarge. Wenn ich es mir recht überlege, dann hätte keine schöne oder hässliche Formulierung meine Gefühle besser zum Ausdruck bringen können, als der Ausdruck in den Augen dieses Monsters heute Abend. What did you say? Oh a oh…

Rosa Tode

Was denkst du?
Die Wolken sind schön heute Abend. Keine Schleierwolken, sondern bauschige, klare Wolkentürme. Sie sind rosa und sehen so weich aus, wie die Innenseite deines Armes sich anfühlt. Sie scheinen immer näher zu kommen, als würden sie die Stadt jeden Moment unter einer gewaltig-zarten Lawine begraben. Ob das wohl ein angenehmer Tod wäre? Von einer Wolke gefressen zu werden. Ich weiß es nicht, aber die Vorstellung fühlt sich heilend an.
Ich denke an eine Umarmung von dir und laufe dem Sonnenuntergang hinterher… ich will lieber von Liebe erschlagen werden, als von Dunkelheit verschluckt. Heute Abend.

Born to be mild

Wenn ich jemanden nicht mag, dann bin ich distanziert höflich zu ihm. Wenn ich jemanden mag, dann habe ich eine große Klappe. Na gut, wenn ich wütend bin, dann sage ich das immer, aber grundsätzlich bin ich offen, vorlaut und frech wenn ich jemanden mag. Man braucht kein Genie sein um zu erraten, dass mir das nicht immer Freunde einbringt.
Du bist das anthropomorphe Gedicht, was der wildeste Poet schon immer mal schreiben wollte. Du bist ein anthropisches Gottesbild und das hier ist keine Lyrik, sondern das Ergebnis der Koinzidenz kosmischer Ereignisse. Ich glaube nicht an Schicksal, aber an einen Weltraum. Ich glaube nicht an Götter, aber an dich. Irgendwie bin ich nur lebendig, um irgendwann einmal in deinen Armen sterben zu können.

I sing the blues if I want

Ich bin Teilzeitpharao. Ich male Mandalas in Kornfelder und unterhalte mich mit vom Regen gewellten Werbeplakaten an Litfaßsäulen. Ich will dich dort mit meiner Zunge berühren, wo die Sonne dich nicht gesehen hat. Ich will nicht immer einen Grund zum Lachen haben müssen und nicht wieder keinen zum heulen. As he face the sun he cast no shadow. Ich puste die Sonne aus und weine mich glücklich.

Is losing me even a loss?

Ich bin zu viel. Zu da. Trotzdem habe ich das Gefühl, nicht richtig existent zu sein. Unsichtbar fühle ich mich zwar nicht, aber ich fühle mich so wenig nach mir selbst, dass sogar eine Reizüberflutung nichts in mir weckt. Ich will immer so viel spüren, aber ich fühle nichts. Ich spüre das Leben, aber nicht den, der es lebt.

Ich lege mich mit dem Leben an, um lebendig zu sein, und äußere dadurch trotzdem nur den Wunsch danach, zu sterben. Wir beide, das Leben und ich, wissen, dass ich trotzdem bleibe, denn sonst würde ich mich ja mit dem Tod unterhalten, und so entsteht ein sehr zynischer Dialog zwischen mir und dem Leben. Das ist für Außenstehende oft verwirrend, denn in vielen Dingen steckt Leben. Zum Beispiel auch in meiner Schwiegermutter, die ich dann ohne mit der Wimper zu zucken beim Kochen scharf kritisiere. Wenn ich mir das genau überlege, dann ist das vermutlich mutiger und rebellischer als jede Mutprobe, die ich je in meiner Jugend machen musste. Und davon gab es so einige, denn besonders damals als Teenager, wo man ohnehin auf der Suche nach der eigenen Identität ist, habe ich Gefahren überall gesucht.

Dann gibt es Menschen, in denen so viel Leben steckt, dass ich sie anbrüllen will. Ihre pure Existenz provoziert mich, weil sie eben so offensichtlich leben, dass es mich fast tötet. Das sind die Menschen, die ich wohl am meisten vor den Kopf stoße. Ich glaube, dass ich mich in so viel Leben irgendwo finden könnte. Obwohl das genau das ist was ich immer wollte, beängstigt mich die Vorstellung plötzlich. Bevor ich mich finde und fühlen kann, müsste dieser laute, unsensible Mensch erstmal sterben, der über die Jahre in mir herangewachsen ist, und die Kraft dafür aus meinen ganzen Wünschen und Träumen geschöpft hat. Nur jene die wissen, wie tief Sehnsüchtige gehen und wie groß Träume sein können, wissen, wie unermesslich stark und lebendig diese tote Persönlichkeit jetzt ist, die seither in mir wütet.

Cap ou pas cap?

Von Luftschokolade kann man ruhig doppelt so viel essen wie sonst, denn die besteht ja zur Hälfte aus Luft. Und wenn ich ganz lange schlafe, dann sterbe ich hoffentlich früher, weil ich dann ja „weniger vom Tag habe“. Ich bin depressiv, also esse ich ganz viel Schokolade und schlafe lang. Was sagen sie dazu Professor T.? Den kleinen Rest des Tages möchte ich mich gerne vor wigglende Tornados stellen und sie anbrüllen. Was, was willst du, los, komm schon. Feigling. Komm doch her! Das soll ne Spirale sein? Ich zeig dir mal wie das geht! Dann drehe ich eine wunderschöne Pirouette und tanze im Regen mit dem Wirbelsturm. Bedauerlicherweise sind hier keine Tornados, denen ich die Stirn bieten könnte, also tue ich es bei anderen Dingen. Ey. Du… Tasse! Du willst mich mit Kaffee bekleckern, ja? Denkst wohl, du bist was besseres, als der Plastikbecher, hm? Das soll also schon voll sein? Du arrogantes Gefäß, ich zeig dir mal wie das geht, guck mal wie voll ICH werden kann. Und dann trinke ich. Ich finde, das ist fast genauso, wie einen Tornado anzubrüllen.

Hauptsache irgendwas dreht sich.

Buntsterben

Tote Blätter riechen süß, obwohl aus ihnen die Bitterkeit für den Winter geboren wird. Der Tod riecht mild und ist bunt wie ein Blatt, das sich ohne Kraftaufwand von seinem Baum löst. Manchmal wären wir doch alle gern ein Blatt, das mit dem Wind tanzt. Löchrig und sterbend, aber bunt und süß dabei. Manchmal sind wir gerne süß. Wir wollen von kalten, starken Händen gefangen und bestaunt werden. Gegen die Sonne gehalten, und zwischen Buchseiten gepresst werden. Wo wäre ich lieber begraben als in einer Welt, in der ich wirklich gelebt hab. Heute bin ich süß und kaputt. Gelöchert von Traumaregen und Vergangenheitssturm. Von Krisenwitterung und milder Angst zerfressen. Konserviere mich zwischen Büchern, die mal unsere Mauern waren.

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